825 Jahre Gotiz

825 Jahre Gotiz
Ein Grund zum Feiern? Eigentlich nicht. Markgraf Otto II. von Brandenburg schenkte Gotiz, so der damalige Name von Götz, dem Kloster Lehnin und übergab dem damaligen Abt eine Schenkungsurkunde. Den Gotizern sollte es von diesem Tage an schlechter gehen. Sie mussten plötzlich wesentlich mehr Abgaben an das Kloster Lehnin leisten als zuvor. Eine dem Christentum gebührende Eigenschaft war das sicherlich nicht. Aber so war das damals. Auch ein Kloster war eine Art Herrschaft.

Mit viel Einsatzfreude gedachte der Kulturhof Götz in Form eines Theaterstücks unter dem Titel „Es war einmal im Havelland“ dieses Ereignisses. Ein Fest voller Harmonie.

Wer waren die Harmoniker? Das waren alle Vereine aus Götz, die dieses Fest seit dem Spätsommer letzten Jahres akribisch planten und dann mit viel Energie auch durchführten; Heimatverein, Anglerverein, Götzer Bergschützen, Freiwillige Feuerwehr Götz, Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Götz, Kulturhof Götz und die Kita. Zu erwähnen sei auch unser Dorfvorsteher, Detlef Lemke, der kraft seines Amtes viel zum Gelingen des Festes beigetragen hat. Angenehmes mit Nützlichem wurde verbunden: Die Götzer Bergschützen integrierten ihr Schützenfest in die Feier, die Kita ihren Kindertag.
Tagelang war im Wetterbericht nur Regen mit Blitz angekündigt. Einem solchen Wetter wollte man vorbeugen, weshalb eine überdachte große Bühne und reichlich Zelte aufgebaut waren. Dann die Überraschung: Kein Regen, keine Blitze, Sonnenschein und keine Mücken. Besser konnte es nicht sein. Und so stellte sich von Anfang an auf dem Festplatz, der der Sportplatz war, ein reges fröhliches Treiben ein.
Im Eingangsbereich positionierten sich die Götzer Bergschützen mit Schießständen und einer Kegelbahn. Schießen in diversen Kategorien war angesagt. Es sollte der Bürgerkönig gefunden werden. Nebenan im Zelt wurde zwar nicht geschossen, aber dafür stand ein reichhaltiges Kuchenprogramm für alle Gäste zum Kauf bereit.
Gegenüber hatten sich die Angler aufgebaut. Anders als die Bergschützen konnten sie keine Havel oder gar einen See aufbauen, lediglich eine Zielwurfmatte, deren Mittelpunkt man mit einem Angelwurf erreichen sollte.
Unmittelbar hinter den Anglern war ein kleines buntes Zirkuszelt großer Blickfang, in dem der Kulturhof Götz eine Fotobox aufgebaut hatte. Dort konnte man in historische Gewänder schlüpfen und sich fotographieren lassen. Es war ein großer Spaß für alle Gäste.
Hinter dem Zirkuszelt kam man in den richtigen Festtrubel. Zwei Getränkewagen standen bereit. Zur Reduzierung von Plastikmüll hat sich das Festkomitee entschlossen, Pfand für Getränkebecher zu erheben. Da die schöne Pfandmarke aber das Götzer Dorfwappen trug, haben offensichtlich etliche es vorgezogen, die Marke zu behalten und den Becher halt irgendwo liegen zu lassen, weshalb dann am nächsten Morgen der Festplatz doch wieder übersät war mit einer weißen Bechermatte. (Bei der 850 – Jahr-Feier will man es anders machen).
Hinter den Getränkewagen konnten sich in einem Pavillon der Sparkasse Kinder schminken lassen, konnten sich an einem Geschicklichkeitsspiel aus Holzklötzen probieren oder auf eine Torwand schießen.
Ein großer Publikumsmagnet war die historische Fotoausstellung des Heimatvereins, liebevoll zusammen gestellt. Da sah man so manchen grübeln, was auf den Bildern zu sehen war. Für alle „Neugötzer“ ein wunderbarer Blick in die Vergangenheit.
Und dann kam die Kita, stets gefüllt voller Kinder auf Spielgeräten. Ein Schminktisch war ebenfalls aufgebaut und unmittelbar vor dem Kitagelände zwei Hüpfburgen.
Am Ende des Platzes wurden Wurst, Fleisch, leckere Hamburger und ein wohlschmeckendes Eis angeboten.

Ja, und zentral gelegen, vor dem Fußballtor aufgebaut, eine schöne große überdachte Bühne mit einer Tanzfläche davor und einem großen Zelt, das bei Regen genügend Platz zum zuschauen geboten hätte. Aber es war auch ohne Regen immer gefüllt.

Natürlich gab es auf der Bühne und der Tanzfläche ein großes Programm, moderiert durch DJ Henry, der stets einfühlsame Worte zu den diversen Darbietungen fand und darüber hinaus viele Informationen bot.
Die Götzer Jagdhornbläser bliesen zum Auftakt, denen eine Eröffnungsrede von Detlef Lemke, dem Götzer Ortsvorsteher, folgte. Er beschränkte sich in seiner Rede auf die letzten 25 Jahre seit der 800 Jahr-Feier von 1993. Aus diesem Anlaß verfasste der damalige Dorfchronist, Jörg-Dieter Ulrich, eine Festschrift, die umfassend die Geschichte von Gotiz nach Götz nachzeichnete. Er ist leider im vergangenen Jahr verstorben. Detlef Lemke zählte u.a. auf, dass die Einwohnerzahl von damals 950 auf jetzt 1.300 stieg, dass Götz verkehrstechnisch sehr gut angebunden sei durch den RE1 und die Bundesstraße B1, dass es seit 1996 eine überregional bekannte Handwerkskammer gibt, dass Götz seit 2011 an den Havelradweg angeschlossen ist, dass es seit 2012 wieder einen Götzer Turm gibt, an dem jeweils am 3.Sonntag im Oktober gefeiert wird, eine alte Dorfkirche, die nicht als Museum, sondern wirklich als Kirche genutzt wird, denn es finden dort jeden Sonntag Gottesdienste statt – und dass es wohl doch endlich in zwei Jahren einen Radweg vom Bahnhof bis zum Havelradweg geben soll.
Ihm folgte Bürgermeister Reth Kalsow, der keine langen Worte machte, alle Gäste begrüßte und das Fest offiziell eröffnete.
Und dann startete das Landespolizeiorchester Brandenburg unter der Leitung von Christian Köhler mit flotter und schmissiger Musik. Die Musiker ließen sich bei ihrem Spiel nicht von einigen unschönen, aber nicht vermeidbaren Störgeräuschen der Freiwilligen Feuerwehr stören, die am Platzrand ihren Gemeindeausscheid ausführte. Eine starke Pumpe, die die Schläuche mit Wasser füllte, benötigt halt einen starken Motor.
Dem Polizeiorchester folgte eine bunte Märchenmodenschau des Kostümverleihs Roswitha Seidel aus Brandenburg unter dem Motto „Rotkäppchen und ihre Freunde“. Sie hat es wunderbar verstanden, wohl insgesamt sieben Märchen in eine Geschichte zu packen, die sie verlas. Neben den Darstellern vom Schützenverein waren auch einige Gäste gefordert, die ebenfalls in Kostüme schlüpfen mussten. Es war eine große Gaudi, den Spielern zuzuschauen, weshalb alle am Ende mit einem großen Applaus bedacht wurden.
Und es ging bunt weiter mit einer Tanzdarbietung der Tanzgruppe „Kurrat Showdance“ aus Teltow. Von einem Bauerntanz bis zum Kubanischen Karneval war alles dabei. Es war eine Augenweide, den Tänzerinnen und Tänzern zuzuschauen, ein wunderbarer Farbtupfer auf dem Fest.
Vor dem Theaterstück fanden Preisverleihung und Siegerehrung der Feuerwehr und der Götzer Bergschützen statt. Bei der Feuerwehr wurden folgende Plätze vergeben:
Löschangriff Erwachsene: 1.FF Deetz, 2.FF Krielow, 3.FF Schenkenberg, 4.FF Groß Kreutz, 5.FF Jeserig, 6.FF Götz, 7.FF Schmergow.

Löschangriff Jugend: 1.Götz, 2.Krielow, 3.Schmergow.

Bei den Bergschützen wurden folgende Gewinner ermittelt:
Preisschießen Ringe: 1.Enrico Neitsch, 2.Thomas Stranz, 3.Silke Liebrecht, 4.Marco Vollbrecht, 5.Heiderose Gummert, 6.Kat Wehr
Schießen um den Bürgerkönig: Apfel: Silke Liebrecht, Zepter: Laura Schmidt, Schwanz: Ralf Albrecht, rechter Fuß: Hartmut Prochnow, linker Fuß: Torsten Dietz, rechter Flügel: Karsten Schmidt, linker Flügel: Enrico Neitsch, Kopf: Margret Drygulla, Rumpf und damit Bürgerkönig: Gesche Weiß

Neue Bürgerkönigin Gesche Weiß

Kegeln Erwachsene: 1.Enrico Neitsch, 2.Gerald Bellin, 3.Ralf Albrecht, 4.Hansi Horster, 5.Marion Albrecht
Kegeln Kinder: 1.Elias Schneider, 2.Joel Ahlburg, 3.Clemens Schultze, 4.Mara Hemmerling, 5.Jonah Wentzek

Nach diesen Siegerehrungen fand ein aufwendiger Kulissenbau auf der Bühne für das Theaterstück „Es war einmal im Havelland“ vom Kulturhof Götz statt, das eine Hommage, eine Liebeserklärung an das Dorf Götz, seine Bewohner von damals und heute, sowie an das gesamte Havelland ist. Mit diesem Stück sollte an den im letzten Jahr verstorbenen Dorfchronisten, Herrn Jörg-Dieter Ulrich, erinnert werden, auf dessen historischen Recherchen das Stück und seine Lieder beruhen. Ihm war das Stück gewidmet.
Die wunderbaren Kostüme und Kulissen stammten von Carsten Schulz. Kerstin Wentzek ist Autorin dieses Stücks, sie studierte es ein, spielte selbst mit und führte Regie. In drei Szenen, einem Prolog und einem Epilog, wurde durch Übergabe der Schenkungsurkunde durch Markgraf Otto II. an den Abt von Lehnin aufgezeigt, was die damaligen Dorfbewohner davon hielten. Eine Wahrsagerin zeigte ihnen auf, dass Gotiz einmal ein aufblühendes Dorf sein wird, alle frei sein, Kinder zur Schule gehen und alle ein angenehmes Leben führen werden, in dem einzig wahren Götz auf Erden.
Die auf der Tanzfläche aufgestellten Stühle und Bänke waren restlos belegt, großer Beifall am Ende für Darsteller und Stück.
Nach dem Theaterstück füllte sich die Bühne mit Vertretern aller am Fest beteiligter Vereine,
um quasi als Zugabe Texte, die sich Theodor Przybilla ausdachte, auf das Stück „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“ zu singen. Einzelne Strophen waren jeweils einem Verein gewidmet.
Nach tosendem Applaus leerte sich die Bühne, das Programm der Vereine beendet. Musik der Band „Team 67“ folgte.
Ein wunderbares Fest hatte seinen Höhepunkt erreicht. Alle waren voll des Lobes.
Wer waren die ausführenden Personen und Institutionen, die solches ermöglichten?
Erster Dank soll an Bastian Schröder vom Heimatverein gehen. Er war Initiator der Veranstaltung. Bald danach waren die schon erwähnten Vereine dabei, die sich jeweils auf einem eigenen Stand präsentierten und für einzelne Programmpunkte verantwortlich zeichneten. Veranstalter war die Gemeinde Groß Kreutz mit seinem Bürgermeister Reth Kalsow.
Ein Festwirt wurde gefunden, Fa. Haveltec mit Karl Thiede als Geschäftsführer und seinen Mitarbeitern, der Bühne, Platzbeleuchtung, Getränkewagen und Essenversorgung bereit stellte, unterstützt durch das Team des Collonialcafe Werder. Es klappte alles, Dank an dieses Team. Ein Dank sei an die MEAB gerichtet, Burkhart Süring, David Bertz, Michael Ross und Steffen Wolf für die Bereitstellung und den Auf- und Abbau des großen Zeltes. Die Tanzfläche stellte die FFW Deetz bereit, der Toilettenwagen mit Betreuung kam vom Kulturverein Groß Kreutz – eine Einrichtung, die großes Lob verdient.
Damit genügend Parkplätze für die zahlreichen Besucher zur Verfügung standen, sei ein letzter Dank an Landwirt Bedürftig gerichtet, der die Parkflächen gemäht hat.

Das war’s? Ja, das war’s.

Theodor Przybilla
(Kulturhof Götz)

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Alle Bilder: Th. Messerschmidt / BRAWO